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Zentrum für Technomathematik

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Go Tigers! – Ein Austauschjahr in Clemson, South Carolina

Cristoffer Cordes studiert Mathematik auf Diplom an der Universität Bremen und hat nach sechs Fachsemestern in Bremen die Gelegenheit ergriffen, ab August 2010 sein Studium an der Clemson University fortzusetzen. Im Folgenden erzählt er von den ersten Eindrücken seines Austauschjahres.

Die Kooperation zwischen dem Zentrum für Technomathematik und dem Department of Mathematical Sciences an der Clemson University hat es mir ermöglicht, an einem Austausch zwischen den beiden Universitäten teilzunehmen. Dieses Austauschprogramm bietet die Möglichkeit, unter Anerkennung von Bremer Studienleistungen nach zwei Semestern einen Master-Abschluss der Clemson University zu erwerben. Außerdem kann man als Teaching Assistant arbeiten, wodurch der Auslandsaufenthalt finanziell abgesichert wird. Nach der Rückkehr aus den USA sollen die dort erworbenen Mathematikkenntnisse in eine Diplomarbeit einfließen, sodass ich zusätzlich zum amerikanischen Mastergrad das Bremer Studium mit einem Diplom abschließen kann.

Clemson ist eine Universitätsstadt im Südosten der USA, die besonders durch ihre idyllische Umgebung heraussticht. Viele Wasserfälle, Wälder und Berge sind während des ganzen Jahres einen Besuch wert, zumal selbst den Oktober hindurch Temperaturen von 23°C durchaus üblich sind.
Die Schattenseite dieser idyllischen, weiträumigen Umgebung ist – typisch für die USA –, dass ein Auto dringend benötigt wird. Doch die meisten Menschen aus den amerikanischen Südstaaten sind im Gegensatz zur teils sturen und verschlossenen norddeutschen Art sehr offen, freundlich und zuvorkommend und helfen bei allen möglichen Problemen gerne aus.

Clemson Game Days Clemson Game Days
Die unumstrittenen Highlights des Lebens an der Universität sind die Game Days während der American-Football-Saison, an denen der manchmal etwas verschlafene wirkende Ort plötzlich überfüllt von Fans der Clemson Tigers und feierfreudigen Menschen ist. Dabei steht oft nicht einmal das Spiel im Vordergrund sondern das Rahmenprogramm, bei dem die weiträumig verteilten Parkplätze von vier Stunden vor bis vier Stunden nach dem Spiel von Pavillons, Barbecues und Verkaufsständen besetzt sind, wo der sich ganze Ort zum ausgelassenen Feiern trifft.
Clemson Football StadiumClemson Football Stadium

Der konzeptionelle Unterschied zwischen dem deutschen Diplomstudium und dem amerikanischen Master-Programm brachte einige bürokratische Hürden mit sich, die mit Unterstützung von beiden Universitäten bewältigt werden konnten. So wurde ich erst zwei Monate vor Vorlesungsbeginn offiziell als Student in Clemson bestätigt, und die Zeit für den Visum-Prozess, die Flugbuchung und die Wohnungssuche war knapp – dank der Hilfe der betreuenden Professoren und Mitarbeiter konnten aber alle Hürden überwunden werden.

Ich genieße meine Zeit in den USA sehr, alle meine Befürchtungen sind in den ersten Tagen verschwunden. Bei der Zuteilung meiner Mitbewohner hatte ich großes Glück und wohne nun in meinem eigenen Zimmer mit eigenem Badezimmer im dritten Stock eines Studentenwohnheims auf dem Universitätscampus. Auch die sonst in der Gegend stark verbreiteten Insekten haben mir noch keine Probleme bereitet.

Die Einführung der neuen Studenten in das Masterstudium war sehr gut organisiert, und die vielen gesponserten Picknicks sowie ein eigener Schreibtisch in einem Büroraum, den ich wie jeder Teaching Assistant erhalten habe, haben es mir ermöglicht, in sehr kurzer Zeit viele Freunde zu finden. Auch die Sprachbarriere war für mich sehr niedrig, zum einen weil ich auch vor meiner Zeit in Amerika stets mit Englisch zu tun hatte, zum anderen weil der Anteil an internationalen Studenten in Clemson hoch ist und die Meisten daher im Umgang mit leichten Sprachproblemen geübt sind. Ein etwas größeres Problem war es jedoch, ein Auto zu finden und zu kaufen. Einen amerikanischen Führerschein zu bekommen und sich damit für eine günstigere Versicherung zu qualifizieren, ist zwar absolut unproblematisch, braucht allerdings Zeit. Letzten Endes hat aber alles funktioniert und ich bin sehr zufrieden mit meinem ersten Auto.

Clemson University PanoramaClemson University Panorama
Der Stil des amerikanischen Mathematikstudiums unterscheidet sich stark vom Stil des deutschen Diplomstudiengangs. Der individuelle Fortschritt der Studierenden wird hier stärker beobachtet, sowohl durch umfassende Übungsaufgaben, die einzeln bearbeitet werden müssen, als auch durch die kleineren Kursgrößen als in Bremen üblich. Jedoch wird durch diesen Lehrstil die Eigeninitiative und die Kreativität bei der Problemlösung etwas vernachlässigt. Dazu kommt, dass das Mathematikstudium in Amerika mit deutschem Abiturstoff anfängt, und dadurch manche Themen, die in Deutschland zu den Grundlagen zählen, erst im letzten Drittel des Studiums behandelt werden.

Im Rahmen des Austauschprogramms bedeutet dies für mich jedoch nicht, dass ich unterfordert bin, da mit der Arbeit als Teaching Assistant viele Pflichten verbunden sind. Etwa 16 Stunden pro Woche muss ich mich um Studenten der Erst/Zweitsemester-Veranstaltungen kümmern, ihnen bei Übungsaufgaben helfen und ihre Übungszettel korrigieren. Diese Pflichten helfen mir persönlich, mein Wissen über die handwerklichen Grundlagen der Mathematik zu festigen, die mit zunehmender Komplexität des Studiums ein wenig in Vergessenheit geraten sind.

Clemson University AmphitheaterClemson University Amphitheater
 
Clemson University Reflection PondClemson University Reflection Pond