Aktuelle Forschungsprojekte


„Observing teachers: Mathematics pedagogy in regions of Canada“ (2011-2014)

ist ein kanadisches Forschungsprojekt, das Dr. David Reid (Hauptantragsteller, Acadia University, Kanada) und ich, gemeinsam mit fünf weiteren Kolleg/innen aus Kanada (Dr. Annie Savard, McGill University; Dr. Elaine Simmt, University of Alberta; Dr. Ralph Mason, University of Manitoba; Dr. Richard Barwell & Dr. Christine Suurtamm, beide University of Ottawa) durchführen. In diesem Projekt sollen regionale Ausprägungen von Mathematikunterricht, insbesondere ihrer Pädagogik untersucht werden. Diese Merkmale sollen in Beziehung gesetzt werden zu Leistungsunterschieden von Schülerinnen und Schülern zwischen diesen Regionen. Dieses Projekt ist Ende März 2011 von dem kanadischen Social Sciences and Humanities Research Council (SSHRC) bewilligt worden.

Für weitere Information siehe Webseite des Projektes.


„The emergence of disparity in mathematics performance“ (März 2007-September 2011)


Das in der Endphase befindliche Forschungsprojekt “The emergence of disparity in mathematics performance”, gefördert durch SSHRC und AvHumboldt Stiftung, ist den Feldern Heterogenität von Lernenden und international vergleichenden Perspektiven auf schulischen Unterricht zuzuordnen. Es nimmt die „Stratifikation von Leistung im Mathematikunterricht“ zu Beginn der Sekundarstufe I in den Blick. Gemeinsam mit Dr. David Reid (Acadia University, Kanada), Dr. Eva Jablonka (Luleå Tekniska Universitet, Schweden) und Dr. Uwe Gellert (Freie Universität Berlin) untersuche ich die Entstehung von Leistungsdisparitäten. Im Mathematikunterricht werden in neu zusammen gesetzten Klassen schon nach kurzer Zeit für Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler Leistungsdifferenzen sichtbar. Dies gilt insbesondere auch am Anfang der Sekundarstufe, wenn Lehrpersonen und Schüler in der weiterführenden Schule neu zusammenkommen. Wir gehen von der theoretischen Annahme aus, dass diese schulischen Leistungsdisparitäten keine präzisen Abbilder unterschiedlicher kognitiver Fähigkeiten sind, sondern auch sekundäre Dispositionen abbilden. Leistungsdifferenzen werden in der sozialen Praxis des Fachunterrichts nicht nur sichtbar, sondern auch in dessen Unterrichtsinteraktion vermittelt. Die Analyse der interaktionalen Dynamik, die im Klassenzimmer zur Markierung und zur Konstruktion von Leistungsdisparität beiträgt, ist ein Forschungsdesiderat. Dieses greifen wir in unserem interkulturell vergleichenden Forschungsprogramm auf und stellen folgende Fragen in den Vordergrund: Welche Mechanismen der Unterrichtsinteraktion ermöglichen die leistungsbezogene Stratifika­tion von Schülergruppen im Mathematikunterricht? Wie sind diese Mechanismen in vergleichsweise leistungshomogenen und leistungsheterogenen Schulklassen ausge­prägt? Der Vergleich von Schulklassen aus einem selektiven (Deutschland) und zwei inklusiven Schulsystemen (Kanada, Schweden) ermöglicht es, nach funktionalen Gemeinsamkeiten in den zu identifizierenden Mechanismen zu suchen und deren Formen differenziert zu beschreiben. Uns interessiert darüber hinaus, in welchem Zusammenhang die durch die interaktiven Mechanismen markierten Leistungs­differenzen zur Sozialschicht der Schüler stehen. Aus der sozialen Herkunft der Schüler resultieren womöglich Leistungsdifferenzen, die nicht allein als Unterschiede der mathematischen Kompetenz erklärbar sind. Durch den interkulturellen Vergleich erhoffen wir uns einen Einblick in die diesbezüglichen Effekte selektiver und inklusiver Schulsysteme.


Erste Ergebnisse des Projekts liegen vor und wurden veröffentlicht in den Proceedings of the 33rd Annual Meeting of the Canadian Mathematics Education Study Group (Knipping 2009), in den Pre-Proceedings of the 61st Annual Meeting of the International Commission for the Study of Improvement of Mathematics Education, CIEAEM (Knipping, Reid & Gellert 2009), in den Proceedings of the Fifth International Mathematics Education and Society Conference (Jablonka/Gellert/ Knipping/Reid 2008, Knipping/Reid/Gellert/Jablonka 2008) und in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (Gellert/Hümmer 2008). Weitere Artikel sind in Arbeit, z.T. bei internationalen Zeitschriften eingereicht und befinden sich im Review Prozess. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden ebenfalls in einem Sammelband erscheinen mit Beiträgen zu Basil Bernsteins Code-Theorie und empirischen Unterrichtsanalysen aus bildungssoziologischer Sicht (geplant für 2012).


Die bisherigen Ergebnisse legen folgende Anschlussprojekte nahe:

  1. Ein Anschlussprojekt behandelt den Bereich der Argumentations- und Beweisprozesse im Mathematikunterricht. Leistungsdisparitäten werden insbesondere in Unterrichtsmomenten sichtbar, in denen Argumentationsprozesse von Bedeutung sind. Fokussierte Analysen von unterrichtlichen Argumentationsprozessen im Hinblick auf Stratifikatonsmechanismen versprechen daher Erkenntnisse bezüglich unterschiedlicher Lernchancen von Schülerinnen und Schülern im Mathematikunterricht. Ein Projekt in dieser Richtung würde auf meiner Expertise in diesem Bereich aufbauen.
  2. Erste Ergebnisse unseres Projektes weisen darauf hin, dass eine implizite Pädagogik, die soziale und sprachliche Codes voraussetzt, Leistungsdisparitäten eher verstärkt als verringert. Bezogen auf den Mathemtikunterricht sind Mechanismen dieser Art den meisten Lehrerinnen und Lehrern unbewußt und von diesen nicht intendiert. Ein Anschlußprojekt wird diese Problematik aufgreifen und untersuchen, wie und inwieweit derartige unbeabsichtigte Dynamiken in Mathematikunterricht von Lehrpersonen erkannt, reflektiert und verändert werden können. Dieses Projekt strebt den Erkenntnistransfer unseres gegenwärtigen Projektes in die Praxis an. Eine Förderung dieses Forschungsprojektes ist durch die DFG denkbar, die verstärkt an Empirischer Schul- und Unterrichtsforschung interessiert ist, was sich etwa an ihren Ausschreibungen im Rahmen der Förderinitiative Empirische Bildungsforschung zeigt. Beide Projekte befinden sich in der Konzeptionsphase.

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